Was macht eine Bundestagsabgeordnete eigentlich in Berlin? Wie lebt und arbeitet sie - und welche Positionen bezieht sie zu aktuellen Themen? Die RZ-Serie "Berliner Notizen" spürt diesen Dingen nach. Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis schreiben ihre Notizen für Sie auf, heute Andrea Nahles (SPD).
Angela Merkel als Sparwächter Europas - schadet oder nutzt der strikte Kurs der Kanzlerin dem deutschen Image?
Niemand ist gegen Sparsamkeit. Die ist mehr als nötig, und wir brauchen auch Kontrollen, zum Beispiel in Griechenland. Die Einseitigkeit allerdings, mit der Merkel vorgeht, ist schädlich, weil sie die Krise verlängert. Wie soll die Wirtschaft in Griechenland und anderen Ländern wieder auf die Füße kommen, wenn nur gespart wird? Wie sollen diese Länder ihre Schulden zurückzahlen? Es muss auch investiert werden. Dafür würde es auch ohne neue Schulden genug Geld geben, wenn wir in Europa die Finanztransaktionssteuer - also eine Umsatzsteuer auf den Aktienhandel - erheben würden. So erfolgreich Merkel beim Durchsetzen von Sparauflagen ist - sie kommt von allen Gipfeln ohne die Finanztransaktionssteuer zurück. Sogar Sarkozy hat jetzt erklärt, dass er sie notfalls allein macht. Da wäre unsere Bundeskanzlerin mal gefordert.
Die SPD schiebt die Kanzlerkandidatenfrage immer noch vor sich her. Wann sollte der Merkel-Herausforderer gekürt werden - und wer sollte in den Ring steigen?
Was heißt hier, "wir schieben die K-Frage vor uns her"? Die Bundestagswahl ist 2013. Die SPD hat mehr als einen geeigneten Kandidaten. Wir sollten das Anfang 2013 entscheiden. Und bis dahin für unsere Inhalte, für bessere Löhne, gerechtere Steuern und eine Bürgerversicherung kämpfen.
Mit Schlecker hat eine große Drogeriekette Insolvenz angemeldet. Befürchten Sie einen Mikadoeffekt, der den deutschen Arbeitsmarkt nachdrücklich belasten wird?
Ich treffe am 8. Februar Betriebsräte von Schlecker hier aus unserer Heimat und werde erst mal hören, ob und wie ich vielleicht helfen kann, die Arbeitsplätze - das sind ja vor allem Frauenarbeitsplätze - zu retten. Einen Mikadoeffekt fürchte ich nicht, aber für die mehr als 30 000 Beschäftigten ist es auch so schlimm genug.
Ein schönes Erlebnis abseits der Politik:
Ich habe ein kleines Clownskostüm für meine Tochter Ella gekauft und es schon mal probehalber angezogen. Großartig! Fastnacht macht jetzt noch mehr Spaß.
Wenn ich einen Tag Bundeskanzler wäre, ...
... würde ich mal ein ernstes Wort mit Bundespräsident Wulff reden. Das habe ich letzten Monat auch schon gesagt. Dabei bleibe ich.
