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Andrea Nahles

Andrea Nahles - Generalsekretärin

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Presse-Spiegel

"Die Grünen werden nicht stärker als wir"

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles spricht im Tagesspiegel-Interview über den Wahlkampf in Berlin, die Integrationsdebatte und das Menschenbild von Thilo Sarrazin.

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22.07.2010

Andrea Nahles spricht heute in Nürnberg - Interview mit den Nürnberger Nachrichten

Frau Nahles, geben Sie uns bitte eine knappe Antwort auf Ihre Vortrags-Frage: »Ist die katholische Soziallehre ein Kompass für die Politik?«

Nahles: Ein Kompass schon, aber kein Patentrezept. Oder: Ethisch gedacht heißt noch lange nicht gut gemacht. Die katholische Soziallehre kann konkrete Politik nicht ersetzen, aber sie kann ihr eine Richtung geben.

Welche Richtung denn?

Nahles: Papst Benedikt XVI. hat das in einer Enzyklika kürzlich sehr klar auf den Punkt gebracht: Gerechtigkeit ist Ziel und innerer Maßstab von Politik. Damit kann ich mich sehr stark identifizieren – Gerechtigkeit ist für mich ein Schlüsselbegriff meiner politischen Arbeit. Man muss den Markt ethisch regeln, man darf keinen Menschen zurücklassen, es braucht gute Arbeit für alle – das ist sozialdemokratische Politik und es sind auch Ableitungen, die man aus der katholischen Soziallehre ziehen kann. Aber es gibt keine eindeutige »Roadmap« für Christen in der Politik.

Die Kirchen kritisieren das Sparpaket. Aber sie dringen kaum durch.

Nahles: Ich würde mir wünschen, dass sich die Kirchen stärker einmischen. Da war schon mal mehr zu hören. Aber Katholiken wie Protestanten sind offenbar derzeit zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Beurteilen Sie doch mal das Sparpaket nach christlichen Maßstäben . . .

Nahles: Das Sparpaket ist ein sozialpolitischer Offenbarungseid. Vor allem bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik geht es in die falsche Richtung. Wenn dort Pflichtleistungen gestrichen werden, trifft es Menschen mit Behinderungen besonders hart. Das kann nicht christlich sein. Oder nehmen Sie das Elterngeld: Die Frau, die keine Arbeit aber einen gut verdienenden Ehemann hat, bekommt 300 Euro – die Alleinerziehende, die arbeitslos zu Hause ist, die kriegt das nicht mehr - nur unten wird gespart.

»Frau, gläubig, links«, heißt Ihr Buch. Frau und links, das war nicht neu, gläubig schon. Wie waren die Reaktionen auf Ihr »Outing«?

Nahles: In Berlin wurde ich eher selten darauf angesprochen, umso mehr aber in den Regionen, bei solchen Treffen wie heute Abend beim »Gesprächskreis Kirche und SPD«.

Gibt es Schnittmengen zwischen Kirchen und Politik? Bisher sind eher Berührungsängste zu beobachten . . .

Nahles: Das liegt auch daran, dass die verschiedenen Institutionen ganz anders an die Fragen herangehen. Dabei gäbe es in der Tat gemeinsame Ansätze und Ziele. Wir brauchen ein gemeinsames Aufbäumen der Gesellschaft gegen die Gier der Finanzmärkte und für eine stärkere Regulierung und gerechtere Lastenverteilung. Wir alle werden daran gemessen, was wir tun, um die nächsten Krisen zu verhindern. Da ist bisher zu wenig passiert. Da sind Kirchen ebenso gefordert wie Gewerkschaften und Politik.

Alexander Jungkunz

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