Jülicher Nachrichten: Der Erfolg der SPD steht für Nahles fest
Generalsekretärin trifft Volk und Partei in Jülich
Von Volker Uerlings
Jülich. Es spricht der Souverän, der Wähler, in Jülich: „Tach, Frau Nahles. Sie sehen in Wirklichkeit ja viel besser aus als im Fernsehen!“ Die SPD-Generalsekretärin dankt fürs „schöne Kompliment“, überreicht eine Rose und den Wahlkampfflyer „ihres“ Kandidaten im Wahlkreis Düren I, Peter Münstermann. Andrea Nahles wird von fast jedem Passanten erkannt. „Isch find Sie jut!“, hört sie, und auf die Frage an jeden, ob er denn am Sonntag wähle, vernimmt die „Generalin“ ein generelles Ja.
23 Prozent für die SPD bei den Bundestagswahlen – das war für die Frau aus der Eifel und die Partei „mental das absolute Tief“. „In NRW bedeutete das 28,5 Prozent bei den Zweitstimmen“, ergänzt Bundestagsgenosse Dietmar Nietan (Düren). Die letzten Prognosen sehen die Sozialdemokraten im einstigen Stammland bei stabil deutlich über 30 Prozent. „Jetzt ist es für uns ein Erfolg, dass wir eben mental ganz anders drauf sind. Wenn wir am Sonntag Mitte 30 landen, wär’ das eine Sensation“, erklärt die 39-jährige Nahles. Das könnte auch in etwa der Wortlaut dessen sein, was sie nach dem Urnengang an Rhein und Ru(h)r am Sonntagabend bei der „Berliner Runde“ sagen wird. Alles ist schließlich aus Sicht der Parteilinken besser als die Niederlage gegen Jürgen Rüttgers vor fünf Jahren oder die Klatsche bei den Bundestagswahlen.
Vor ihrem gestrigen Gang durch die Fußgängerzone war die „liebe Andrea“ vom Jülicher Ortsvereinsvorsitzenden Martin Marquardt und etlichen Genossen aus dem Nordkreis im Café Liebevoll begrüßt worden. Für die Frauen und Männer mit Parteibuch hatte der weibliche Teil der SPD-Führungscrew vor allem eine Botschaft: „Rot-Grün ist möglich. Wer hätte das gedacht?! Es sind noch vier Tage. Wir sollten diese Zeit nutzen, statt über irgendwelche anderen Koalitionen nachzudenken.“ Andere Zusammensetzungen einer NRW-Regierung sind aus Nahles’ Sicht „von der Wahrscheinlichkeit sehr gering“. Zum Beispiel Rot-Rot-Grün: „Wir machen das von Inhalten und Personen abhängig. Beides passt in NRW gar nicht.“ In diplomatischer Sprache erteilt sie der Großen Koalition eine Fast-Absage: „Die streben wir nicht an.“ Möglicherweise war das so mit der Spitzenkandidatin abgesprochen. „Die Hannelore“ (Kraft) hatte kurz vor der Visite in Jülich noch mit Andrea Nahles telefoniert und gefragt, „wie es so läuft“. „Gut“, antwortete die Generalsekretärin. „Und selbst?“


