Rhein-Zeitung: Bundesfinanzminister spricht bei Wahlkampfveranstaltung in Polch - SPD-Mann: Sittenwidrige Abfindungen verbieten
Foto: Heinz Israel
POLCH. Mehrere Hundert Bürger haben sich im Forum Polch versammelt und warten gespannt auf die Ankunft von Peer Steinbrück. Der Bundesfinanzminister (SPD) steckt im Stau - das Warten dauert an. Um 18.45 Uhr ist es so weit: Zwei schwarze Limousinen mit Bonner Kennzeichen fahren vor. Steinbrück, der stellvertretende Vorsitzende der SPD, steigt aus und betritt das Forum. Unter tosendem Applaus schreitet er zu seinem Sitzplatz.
Zunächst heißt Polchs Stadtbürgermeister Günter Schnitzler die Zuhörer willkommen. Dann betritt die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Andrea Nahles die Bühne. Die Direktkandidatin im Wahlkreis 199 aus Weiler begrüßt ihren prominenten Unterstützer. Steinbrück fordert alle auf, am 27. September von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Der Sozialdemokrat kleidet seinen Appell in drastische Worte: "Wenn du dich nicht um mich kümmerst, dann verlasse ich dich. Deine Demokratie." Mit dieser Aussage erntet er nicht nur Applaus, sondern auch wohlwollendes Gelächter. Sein Kommentar dazu: "Politik kann und darf humorvoll sein."
Der Finanzminister nennt Merkmale, worüber die Bürger am 27. September abstimmen sollen: "Sie entscheiden, ob wir die Krise zum Anlass nehmen, damit sie sich nicht wiederholt." Steinbrück bezeichnet die gegenwärtige Finanzkrise als die bedrohlichste Misere seit Gründung der Republik. Die Banken hätten vor einem Jahr das Vertrauen der Bürger verspielt. Mit Blick auf Manager, die selbst bei einer Riesenpleite noch mit Millionenabfindungen nach Hause geschickt werden, sagt Steinbrück: "Wir wollen diese sittenwidrigen Abfindungen unterbinden."
Während der Veranstaltung äußert sich der Sozialdemokrat auch zum Wahlversprechen der Liberalen, die beabsichtigen, die Steuern zu senken: "Wollen sie einen handlungsfähigen Staat? Dafür braucht er Steuern." Eine deutliche Abfuhr an die FDP.
Außerdem stellt Steinbrück eine Grundsatzfrage: "Wollen Sie wirklich, dass es mit der politischen Denke weitergeht, wie es jetzt ist?"
Seinen Vortrag beendet er an die Zuhörer gewandt mit den Worten: "Ich würde es Ihnen schwer übel nehmen, wenn Sie nicht wählen gehen."
Im Anschluss an die Veranstaltung trägt sich der Bundesfinanzminister unter den Augen von Stadtchef Schnitzler und von Parteifreundin Andrea Nahles im Goldenen Buch der Stadt Polch ein.
Maximilian Eckhardt

