03.09.2009
Foto: Ingo Schneider
Die aus dem eigenen Anbau des Freiburger SPD-Kreisvorsitzenden Walter Krögner stammenden dunkelrosaroten Himbeeren munden ihr ganz offensichtlich. Jedenfalls lässt sich Andrea Nahles die "Freudenbeeren" genüsslich schmecken, während SPD-Bundetagskandidat Gernot Erler sich kämpferisch zeigt. Und auch sein Kampfgewicht in die Waagschale wirft: 88 Kilogramm bei 1,90 Meter Körpergröße. "Auch ich bin zum Kämpfen gekommen", ruft die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende den gut 130 Gästen gestern Abend in der vollen Wodanhalle zu, "aber mein Gewicht verrate ich nicht – auch wenn ich ein gutes Kampfgewicht habe." Im Kompetenzteam des Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier ist sie für Bildung und Integration vorgesehen. Und Andrea Nahles legt unter großem Beifall von alten Genossen und jungen Aktivisten vom "Team Erler" auch gleich mit dem Kämpfen los. Die Kanzlerin habe ihrer Partei eine Selbstbetäubung verordnet, und der Kreide-Abbau auf Rügen boome, "weil noch nie so viel Kreide gefressen wurde". Doch: "Seit Sonntag liegt was in der Luft – Schwarzgeld ist nicht mehr sicher." Deshalb lohne sich das Kämpfen. Schließlich gehe es bei der Bundestagswahl am 27. September um Grundsätzliches, um eine Richtungsentscheidung: "Soziale Marktwirtschaft versus Kapitalismus." Und diese soziale Marktwirtschaft müsse dem Kapitalismus jeden Tag neu abgetrotzt werden. Die Rheinland-Pfälzerin hält deshalb nichts von angekündigten Steuersenkungen. Vielmehr fordert sie sogar Steuererhöhungen – für Spitzenverdiener, für die Verantwortlichen der Krise eben. Wie dieser "Bildungssoli" verwendet werden soll, steht für die dunkelhaarige SPD-Frau in braunem Hosenanzug und cremefarbener Bluse auch schon fest: für mehr Sozialarbeit an Schulen und zum Ausbau von Eltern-Kind-Zentren rund um Kindertagesstätten. Übrigens: Dass die Wahlplakate mit dem Konterfei Steinmeiers zuerst mal beiseite geräumt werden, um Platz für die schwarze Limousine zu machen, die Andrea Nahles bringt, ist sicher nur ein Zufall gewesen.
Badische Zeitung: Andrea Nahles lässt sich Himbeeren munden
Foto: Ingo Schneider

